• Ein Wort auf den Weg

  • 1

Altarbilbel Kronprinzenkoog

Altweibersommer

 

Die Getreidefelder sind abgeerntet, im Gemüsegarten die Bohnen und Kartoffeln. Die Obstbäume hängen voll reifer Zwetschgen, Äpfel und Birnen und warten auf den Genuss. Blauer Himmel und letzte Sonnenstrahlen. Ich mag die Stimmung des Altweiber-sommers.

 

Der Begriff "Altweibersommer" für die Schönwetterphase im beginnenden Herbst hat natürlich nichts mit älteren Frauen zu tun, sagt Google. Da bin ich aber froh. Mit dem Wort "weiben" bezeichnete man früher im Althochdeutschen das Knüpfen von Spinnweben. Weil es sich in klaren Septembernächten ziemlich abkühlen kann, stechen die benetzten Spinnweben im Sonnenlicht eines Altweibersommertags besonders gut hervor.

 

Noch einmal fahren wir zur Flut und schwimmen in der Nordsee. Die Geräusche am Deich klingen so nah. Zuhause gehe ich mit dem Besen gegen die Spinnweben im Hauseingang vor. Mit dem gleichen Schwung wandert das Sommerkleid für die nächsten Monate in den Schrank und ich denke an die Hitze, die wir erlebten. Wochenlang kein Tropfen Regen. Trockenheit, die wir nicht kannten. Im letzten Jahr genau das Gegenteil und ich weiß nicht, was mir lieber ist.

 

Passend zur heißen Wetterlage las ich das Buch „Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde.

Es fesselte mich.

 

Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden. Es gibt Großbrände und längst ist nicht genug Trinkwasser für alle da. David flieht mit seiner Tochter Lou aus Argeles. Sie sind nur noch eine halbe Familie. Die Hitze flimmert über der staubigen Straße, Blau der wolkenlose Himmel. Allmählich beginnt David im Buch diese Farbe zu hassen und ich schaue vom Liegestuhl auf: keine Wolke am Himmel. David und Lou wollen in ein Lager und hier dreht sich alles ums Wasser, das fehlt. Durst und Szenen, die mir Angst machen. Das Schicksal von David und Lou wird verknüpft mit der fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe. Sie begibt sich 2017 auf eine riskante Reise: Mit ihrem Segelboot versucht sie von Norwegen aus die französischen Küste zu erreichen... Ich schließe die Augen und blinzele gegen die Sonne. Ist das die Zukunft? 24 Jahre sind gar nicht lange. Sieht so der Klimawandel aus?

 

Ich werde das Unbehagen nicht los, dass vieles in unserer Welt in eine Schieflage geraten ist. Wir beuten die Böden aus und schütten Unmengen Gülle aufs Land und damit in die Abwässer. Wir versuchen, mit Chemikalien die Erträge zu steigern. Wir nehmen dabei in Kauf, dass Insekten sterben. Wir holzen Regenwälder ab und bauen in Südamerika und anderswo riesige Sojafelder, um den Hunger nach viel billigem Fleisch zu befriedigen. Den Großteil unseres Getreides verfüttern wir an Tiere. Wir stecken Millionen Nutztiere in Ställe, die Fabriken gleichen, und „produzieren“ Fleisch wie Autos - ohne Mitgefühl für unsere Mitgeschöpfe. Kann ich davor noch die Augen schließen?

 

Die Bauern haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, dass vieles aus dem Ruder läuft; sie sind so nah dran, aber sie müssen im Agrarsystem mithalten, um zu überleben.

 

Ich lege meinen neuen Roman beiseite und blättere in der Bibel. Ihr Anfang vermittelt mir einen liebevollen Blick auf die Schöpfung.

Gott ist auf der Erde. Von Anfang an. Sein Geist schwebt über den Wassern. Ich liebe dieses Bild. Gottes Schöpfer-phantasie schafft die bunte und wunderschöne Erde. Aus dem wüsten, leeren und dunklen Planeten wird ein Paradies. Jeden Tag kommen Gott neue Ideen für seine Erde, die er umsetzt. Sein Wort bringt alle Schöpfungswerke ins Leben. Und Gott sah, dass es gut war: das Licht, Erde und Meer, Gras, Kraut, Bäume, Tag und Nacht, Tiere der Luft und Tiere des Wassers, Tiere des Feldes. Wir selber können das mit allen Sinnen erleben, wenn wir in der Natur sind. Großartig, finde ich und summe, „Großer Gott, wir loben dich!“

Am sechsten Tag sprach Gott: „Lasset uns Menschen machen.“ Ob das eine gute Idee war? frage ich mich. Alles Geschaffene wird von Gott gesegnet, ausdrücklich die Tiere, die Menschen und der Ruhetag. Alles wird von Gott für gut befunden, sogar für sehr gut.

Wir Menschen sind Teil einer Erden-gemeinschaft und nicht die Herrscher über allem. Diese Wahrheit haben wir grundlegend vergessen und verlassen ...

 

An der Haustür klopft es. Meine Freundin besucht mich und erzählt mir freudestrahlend, sie habe einen Flug gebucht für Anfang September – Altweibersommer in Norwegen. „Ich reise zum Hardangerfjord.“ „Und deine Enkel?“ frage ich sie. „Wieso?“ – „Na wegen Co2 Ausstoß und Klima-katastrophe“, antworte ich. „Wie bist du denn jetzt drauf?“. Ich fühle mich hilflos. Wir trinken eine Tasse grünen Tee und reden - auch über die Rettung der Welt. Am Ende sind wir uns einig. Wir wollen nicht mehr so tun, als würden wir den Wandel und das Sterben nicht bemerken. Im Gegenteil.

 

Beten und arbeiten wollen wir für die Erde mit allem, was lebt. Alles tun für die Heilung der geschundenen Schöpfung. Dazu haben wir genug Kräfte und Fähigkeiten mitbekommen: unseren Verstand, die Einsicht, neue Ideen und auch die Liebe zu allem Lebendigem in der Natur. Möge der Geist Gottes auch heute noch über der Erde schweben und sie bewahren. Das ist unsere Hoffnung.

 

Im Übrigen: Das Buch „Die Geschichte des Wassers“ habe ich meiner Freundin für ihren Norwegen Trip ausgeliehen.

 

Eine schöne Zeit im Herbst wünscht Ihnen von Herzen

 

Ihre Pastorin Sabine Jeute

 

 

 

 

.

Altarbilbel Kronprinzenkoog

Kontaktinformation

Kontaktinformation

Ev-/luth. Kirchengemeinde Vereinigte Süderdithmarscher Köge

Pastorin Sabine Jeute

04856-391

vereinigte-koege@kirche-dithmarschen.de

Über uns .......

Über uns ....

Diese Website widmet sich der Koogskirche und der Christuskirche

Impressum | Datenschutzerklärung |

Copyright © 2018 Koogskirche. Alle Rechte vorbehalten. Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok