Friedhof Kronprinzenkoog - “Ein Morgen steht auf...”


“März” als pdf

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Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Apg 5,29 (E)

 

Monatsspruch (Juni 2017):


      Ein Wort für dich...

März

Keiner hört mehr zu

Wir hören nicht zu wenig, sondern zu viel. Die Musik im Supermarkt, den Straßenlärm, die Maschinen bei der Arbeit, den Rasenmäher in der Mittagsstunde, das Autoradio, wenn die Kinder zur Schule gefahren werden, das Gebrabbel aus dem Fernseher beim Abendbrot. Kein Wunder, wenn unsere Aufnahmefähigkeit erschöpft ist vom andauernden Hören ohne zu antworten. Dabei wäre es so gut, genau hinzuhören. Nicht nur auf das, was man hören will. Jemand schenkt dem, der redet, seine Zeit. Lässt sich auf dessen Geschichte ein. Sitzt oder steht da und hört zu. Echtes Zuhören ist selten. Nicht überhören oder weghören, sondern erst hin- und dann zuhören. Zuhören nimmt das Gegenüber ernst. Wer zuhört, tritt zurück und macht dem anderen Platz. Seiner Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen.

Gott hört zu. Klar. Er kann ja gar nicht anders. Es ist Gottes Liebe zu uns, dass er uns sein Ohr leiht. Und es gibt viele Menschen, die ebenfalls ein Ohr suchen, das ihnen zuhört. Aber auch unter Christen ist das nicht immer leicht zu finden, weil sie eben auch gerne reden, wo es besser wäre zu zuhören. „Wer aber seinem Bruder, seiner Schwester nicht mehr zuhören kann, der wird auch bald Gott nicht mehr zuhören, sondern er wird auch vor Gott immer nur reden“, schrieb D. Bonhoeffer.

So beginnt das Ende des Glaubens. Denn der Glaube kommt aus dem Hören. Wer nicht lange und geduldig zuhören kann, der wird am Anderen immer vorbeireden und es selbst gar nicht mehr merken, weil er seine Worte und Pläne in den Mittelpunkt stellt. Wer also denkt, seine Zeit sei zu knapp, zu kostbar, zu besonders, als dass er oder sie dem Anderen zuhören könnte, hat auch keine Zeit für Gott, sondern ist im Grunde nur sich selbst wichtig und nimmt Gott nicht ernst.

Ich finde, es wird höchste Zeit, das Zuhören wieder zu lernen.

Pastorin Sabine Jeute

Schwarzbrot für die Seele